Buchvorstellung: „Die Frage der Wiedergeburt“ von Sri Aurobindo

 

Aurobindo Ghose wurde 1872 in Kolkata geboren und gilt als der Erneuerer des Yoga in Indien. Er und sein Bruder kamen 1879 nach England und er erhielt Unterricht in Englisch, Latein, Griechisch und Französisch, Geschichte, Geographie und Arithmetik. Durch ein Stipendium konnte er für zwei Jahre ein Studium in Cambridge aufnehmen. Nach seiner Rückkehr nach Indien 1893 engagierte sich Sri Aurobindo stark für die Unabhängigkeit Indiens. Dieses Engagement führte schließlich zu einem Gefängnisaufenthalt während dem er sich dem Yoga zuwandte. Dieser „Integrale Yoga“, der durch das Werk Sri Aurobindo’s entstand, kann in einen Bezug zur Anthroposophie von Rudolf Steiner gebracht werden, die etwa zeitgleich entstand. Gemeinsam ist beiden Richtungen dass sie für den Menschen einen geistigen Wesenskern anerkennen, der entwickelt werden kann und mit seinen Impulsen und Inhalten die Lebensführung bereichert und eine größere Freiheit gewährt.

In Sri Aurobindos Schriften ist ein weites, kosmisches Bewusstsein spürbar, das sich wie schwerelos erhebt und auch komplizierte Zusammenhänge aus den verschiedensten Blickwinkeln beleuchtet und darstellt. Die uralte spirituelle Weisheit Indiens spricht aus seinen Werken in Worten, die seiner westlichen humanistischen Bildung entspringen. Sie lässt den Leser frei und gibt dem Bewusstsein eine weite, ruhige Atmosphäre.

Das Buch „Die Frage der Wiedergeburt“ entstand aus Artikeln, die Sri Aurobindo zwischen 1914 und 1920 für seine Zeitschrift ARYA geschrieben hatte. Das Buch gliedert sich in die Abschnitte „Wiedergeburt und Karma“, „Die Prinzipien des Karmas“ und „Die höheren Prinzipien des Karmas“.

Folgender kurzer Auszug entstammt dem Kapitel 5 des ersten Abschnitts mit dem Titel „Die Bedeutung der Wiedergeburt“.

„Das Problem, das wir selbst sind – warum wir hier sind, was wir sind, was hinter und vor und um uns ist und was wir mit uns selbst, unseren inneren Bedeutungen und unserer äußeren Umgebung anfangen sollen – das ist die Frage, die mit all ihren Verwicklungen die Summe der Philosophie ist und in die letztlich alles menschliche Forschen einmündet. In der Vorstellung der entwicklungsmäßigen Wiedergeburt, sofern wir sie als Wahrheit erkennen und ihren Prämissen und Folgerungen zustimmen können, finden wir einen hinreichenden Anhaltspunkt für eine Antwort auf alle diese untereinander verbundenen Seiten dieser einen immerwährenden Frage. Eine spirituelle Evolution, für die unser Universum den Schauplatz und die Erde die Bühne bildet, obwohl ihr Plan noch vor unserem begrenzten Wissen zurückgehalten wird – diese Art das Leben zu sehen, ist ein lichtvoller Schlüssel, mit dem wir viele dunkle Türen aufschließen können. Aber wir müssen diese Evolution im richtigen Blickwinkel betrachten, um ihre wahren Proportionen zu erhalten, und besonders, um sie nicht so sehr in ihrem mechanischen Ablauf, sondern vielmehr in ihrer spirituellen Bedeutung zu sehen. Versäumen wir dies, dann werden wir in philosophische Spitzfindigkeiten verstrickt und auf dieser oder jenen Seite zu übertriebenen Negationen gedrängt, und unsere Aussage, so vollkommen ihre Logik auch sein mag, bleibt doch für das Gesamtverständnis und die vielschichtige Seele der Menschheit unbefriedigend und ohne Überzeugungskraft.“

Sri Aurobindo starb 1950. Aber noch immer zieht „Auroville“ in Pondicherry in Indien, der Ort, an dem er wirkte, Menschen aus aller Welt an und seine Impulse sind bis heute spürbar.

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