Bundeskanzlerin Merkel und das „postfaktische Zeitalter“.

In der Sendung „Quer“ des Bayerischen Rundfunks am 22.09.16 wurde ein Beitrag gezeigt, in dem Bundeskanzlerin Angela Merkel von einem „postfaktischen Zeitalter“ und der Dominanz der Emotionen über eine rationale, von Fakten geprägte Vernunft sprach. Sie erwähnt damit ein Phänomen, das immer stärker seine Wirksamkeit entfaltet.

Die anthroposophische Beschreibung des Menschen mit den vier Wesensgliedern Ich, Bewusstsein, Lebenskräfte und physischer Leib gibt die Möglichkeit, dieses Phänomen intensiver zu betrachten. Nach dieser Einteilung gibt es ein Ich, das die Führung über das Gedankenleben hat und ein Bewusstsein mit den Kräften des Denkens, des Empfindens und des Wollens. Die natürliche Führung wäre dann wie folgt: das Ich bestimmt welche Gedanken gedacht werden, die Gedanken erzeugen Gefühle im Menschen und die Gefühle entfachen den Willen. In der Geisteswissenschaft nennt man dies den Weg von „Oben nach Unten“. Das Denken nimmt eine zentrale Position ein. Das Denken ist aber auch das Werkzeug um in einer gesunden, realen Weise in Beziehung zur Umwelt zu stehen.

Zwei kleine Betrachtungen können das Gesagte näher bringen. Zum einen versuche man für ein paar Minuten, ohne jeglichen Gedanken bei sich Gefühle oder Emotionen zu erzeugen. Zum anderen stelle man sich für ein paar Minuten in irgendeinen Raum und schalte völlig das Denken ab. Es wird nicht gelingen, eine Beziehung zur Umwelt aufzubauen.

Eine weitere Betrachtung. Im Leben will man das gerne, was einem sympathisch ist. Ist es unsympathisch aber trotzdem notwendig, so denkt man es sich in der Regel freundlicher. Man stelle sich intensiv vor, man wäre in der Lage des Tieres, das ohne die Möglichkeit des Denkens unmittelbar seinen Gefühlen ausgeliefert ist.

Noch ein paar kurze Ausführungen zum Denken selbst. Das Denken kann mehr frei und objektiv sein, oder es kann mehr von der Emotionalität oder dem Willen gebunden sein. Wer schon einmal versucht hat, mit jemandem zu sprechen, der nicht gewillt ist, etwas anderes zu denken als sein eigenes, weiß wovon ich spreche. Gleiches gilt von dem emotionalen Denken. Allgemein ist es so, je weniger das Denken überlagert ist von Emotionen und Willenseingriffen, desto freier und objektiver ist es. Günstig ist es auch, immer wieder von sich selbst Abstand zu nehmen und von der Umgebung her objektiv, vielleicht sogar schöpferisch zu denken. Das Grübeln und in sich „hineinbrüten“ führt in der Regel zum Energieverlust, dreht sich im Kreis und man hat vielleicht das Gefühl, gefangen zu sein. Ein weiter, offener Gedanke mit Zukunftsperspektiven dagegen setzt unmittelbar Energie frei und gibt ein getragenes, lebendiges Empfinden.

Diese kurzen Ausführungen beschreiben natürlich nicht die ganze Palette des Denkens sondern sollen nur ein Anstoß sein, einmal über den Stellenwert eines gesunden, objektiven Denkens zu reflektieren oder sich einmal mit dem Weg von „Oben nach Unten“ auseinander zu setzen.   

 

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