Das erhobene Haupt ist Ausdruck einer aufgerichteten Wirbelsäule

Die Wirbelsäule selbst als tragende Säule ist Ausdruck für das „Ich“ des Menschen. Im Folgenden soll kurz umrissen werden, wie
sich zwei „Iche“ in der Begegnung zueinander ausrichten können.

Viele kennen wohl aus der Kindheit folgendes Beispiel: zwei kleinere Geschwister, sagen wir ein Junge und ein Mädchen, leben in einem Haus. Der Junge stellt irgendetwas an und wird von der Mutter zurechtgewiesen. Der Junge lässt nun seinen Ärger und Frust an dem Mädchen aus und es geht ihm daraufhin besser, dem Mädchen geht es natürlich schlechter. Interessant ist es nun, wie sich die „Iche“ in diesem Beispiel zueinander verhalten.

Das Ich des Jungen wird durch die Zurechtweisung der Mutter wieder an die richtige Position gestellt, es will sich darauf wieder erheben und organisiert sich nun Energie von der Schwester, indem sich der Junge über das Mädchen erhebt. Wichtig ist dabei der Vorgang, sich durch das „Darüberstellen“ von einem anderen Energie zu rauben.

Doch wie oft passiert das im Alltag? Der Chef, der seine Machtposition ausnützt und so heimlich Energien an sich zieht? Der Partner, der den anderen erniedrigt und klein hält? Wie ist die Begegnung mit den Eltern? Ist man frei in der Position, die man sich bereits im Leben errungen hat oder sofort wieder in der Kindrolle? Wie verhält es sich, wenn sich Menschengruppen über andere erheben? Die Gruppe raubt Energien von anderen und gibt diese wieder an ihre Mitglieder ab. So fühlt sich der einzelne in der Gruppe stärker auf Kosten anderer.

Eine kleine Übung kann hier helfen, die eigenen Verhältnisse besser zu durchschauen. Entscheidend ist dabei die Disziplin, die eigenen Emotionen unter Kontrolle zu halten und nicht in die Betrachtung einfließen zu lassen. Die aufwallenden Emotionen führen wieder tiefer in die Verstrickungen und kosten Energie. Was benötigt wird ist eine ruhige, klare, unparteiische Betrachtung ( in der Geisteswissenschat auch „Objektivierung“ genannt ). Man kann auf einem Zettel einmal sich selbst in die Mitte stellen und in einem Kreis darum, die ganzen Personen, die für einen wichtig sind. Dann soll ruhig betrachtet werden, ob man sich selbst unter die andere Person stellt oder darüber. Wie oft es passiert, bei welchen Gelegenheiten, Themen, Vorgängen. In welchem Verhältnis man zum anderen steht. Diese kleine Objektivierungsübung schärft das Bewusstsein und kann bei guter Ausführung die Automatismen und Muster unterbrechen und eine freiere Begegnung ermöglichen. Wichtig ist
auch, sich selbst einmal Gedanken zu machen, wie eine gute Begegnung ausschauen könnte. Anregungen dazu können in untenstehendem Text von Heinz Grill entdeckt werden. Heinz Grill ist Heilpraktiker, Schriftsteller und Begründer der „Neuen ästhetischen Yogakultur“.

Zwei Menschen begegnen sich, zwei Seelen begegnen sich, aber auch das jenseitige Reich begegnet sich, geistige Substanzen begegnen sich, Schöpfersubstanzen begegnen sich …

Zwei Menschen begegnen sich und sie sollen sich in der Zukunft so begegnen, dass sie einander stärken. Es wäre ein Zielpunkt, dass diese beiden Menschen sich aber nicht im egoistischen Sinne stärken, sondern sich so gegenübertreten, dass eine Wahrnehmungsfähigkeit durch die sogenannte Bewusstseinsseele oder durch die Klarheit, durch die Wachheit des Wahrnehmens, durch das Bemühtsein des Erkennens entsteht …

Zwei Menschen begegnen sich und beide nehmen sich in dieser Weise so klar, so objektiv, so vornehm, so würdevoll und vielleicht sogar auch humorvoll – es gibt viele Formen der Wahrnehmung – aber so würdevoll, so achtsam, so bewusst, so strebend nach dem Geiste wahr, dass sie sich in ihrem eigenen Selbst stärken. So begegnen sie sich und sie laden nicht gegenseitig ihre Energien aufeinander, wie das mehr in Symbiosen, in Abhängigkeitsverhältnissen der Fall ist, sondern sie begegnen sich befreiend, erbauend, so dass die Kräfte aus der Begegnung hinübergehen und sich lösen können aus dem gebundenen Dasein, sich wieder reintegrieren und zurückbilden können …

 

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